Döllnitz

NEW plant mit voller Energie

Agenda-Kreis besucht Solarpark Döllnitz – Weiteres Kraftwerk bei Speinshart geht noch heuer ans Netz

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Döllnitz/Pressath. (bjp) Bescheidenheit war gestern: Gut ein Jahr nach ihrer Gründung sehen sich die Energiegenossenschaften im westlichen Kreis Neustadt auf der Erfolgsspur. 422 Mitglieder mit 3668 Geschäftsanteilen zählte die Bürgerenergiegenossenschaft am 30. September. Der Zuspruch, den die Vision einer regionalen umweltfreundlichen Energieversorgung bei Bürgern und politisch Verantwortlichen findet, ermutigt „Neue Energien West“ (NEW) und „Bürgerenergie“ zu ehrgeizigen Vorhaben.

Ihr erstes Großprojekt, den Solarpark Döllnitz, besuchte nun der Pressather Agenda-21-Umweltarbeitskreis gemeinsam mit NEW-Aufsichtsrat Helmut Amschler. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Grafenwöhr, einer der „Väter“ der Energiegenossenschaften, zeigte sich vom Wachstum seiner „Kinder“ selbst überwältigt: „Ich hätte noch an Silvester 2009 nicht für möglich gehalten, dass wir jetzt diese Anlage besichtigen können.“ 3,2 Millionen Euro seien hier verbaut worden, damit 5748 Module bei einer Nennleistung von knapp 1,3 Megawattpeak jedes Jahr mehr als 1,2 Millionen Kilowattstunden „Sonnenstrom“ ins deutsche Stromnetz einspeisen könnten: genug für über 300 Haushalte. Auf 20 Jahre habe man das stadteigene Gelände gepachtet, und nach Ablauf dieser Zeit könnten die in den Boden geschraubten Kollektorenfundamente ohne Spuren abgebaut werden.

Jedoch, so Amschler: „Wir hoffen, dass es nicht so kommen wird.“ Für mindestens 30 Jahre Lebensdauer seien die Module allemal gut. Angesichts der wachsenden Bedeutung regenerativer Energiequellen könnte man dann den Platz für eine modernere Kollektorengeneration nutzen, während die wertvollen Materialien der alten „Lichtsammler“ nahezu vollständig wiederverwertet würden. Außer dem Döllnitzer Kollektorenfeld seien im Geschäftsgebiet der NEW sechs kleine Dach-Photovoltaikkraftwerke in Betrieb, eine weitere sei installiert. „In jeder der elf teilnehmenden Kommunen wollen wir bis nächstes Jahr mindestens eine Dachanlage in Betrieb nehmen“, kündigte Helmut Amschler an.

Doch damit nicht genug: Noch in diesem Jahr soll bei Barbaraberg eine weitere Solar-Großanlage in Betrieb gehen, die Döllnitz in den Schatten stellen wird. Mit einer Nennleistung von 1,8 Megawattpeak werde sie stark genug sein, um einen Ort wie Speinshart vollständig mit Strom zu versorgen. „Auch bei diesem Kraftwerk werden wir ausschließlich Firmen aus unserer Region mit der Erstellung beauftragen“, bekräftigte Helmut Amschler. So werde der unternehmerische Grundsatz der Energiegenossenschaften „Aus der Region für die Region“ konsequent umgesetzt: „Wir wollen, dass das Geld, das uns die Bürger und Kommunen aus unserem Gebiet zur Verfügung stellen, effizient eingesetzt wird und so weit wie möglich in der Region bleibt.“

Aber nicht nur in die Solarstromerzeugung wolle man sich einbringen, ließ Amschler den Agenda-21-Kreis wissen: „Auf Photovoltaik haben wir uns als erstes konzentriert, weil derartige Anlagen vergleichsweise schnell zu planen und zu bauen waren.“ Doch habe auch die Planung von Windkraft-, Biomasse- und Wasserkraftwerken schon konkrete Züge angenommen. „Bis 2030 soll der VierStädtedreieck-Raum energieautark sein, sich also aus eigenen Ressourcen versorgen können“, markierte der Grafenwöhrer das gemeinsame Ziel von NEW und „Bürgerenergiegenossenschaft“.

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Keine finanziellen Einbußen durch Verspätung

Für Strom aus Döllnitz gibt es höhere Einspeisungsvergütung – Hochachtung für privates Nahwärmenetz

Pressath. (bjp) Nicht wie geplant am 30. Juni, sondern erst am 2. August war der Solarpark Döllnitz der Genossenschaft „Neue Energien West“ (NEW) ans Netz gegangen. Der Grund waren Lieferengpässe bei wichtigen Anlagenteilen. NEW-Aufsichtsrat Helmut Amschler stellte jedoch klar, dass hierdurch den Energiegenossenschaften keine finanziellen Nachteile entstanden seien. Für den erzeugten Strom erhalte man die höhere Einspeisungsvergütung, wie sie bis zum 30. Juni gegolten habe.

„Maßgeblich hierfür ist, dass sowohl die Baugenehmigung als auch die Einspeisezusage für dieses Projekt vor dem 25. März 2010 vorgelegen haben und dass die Genossenschaft die erst nach dem 30. Juni erfolgte Aufschaltung nicht zu vertreten hatte“, präzisierte Amschler. Obendrein sei zwischen NEW und Aufbaufirma die Zahlung eines Verzugsschadensausgleichs für die „stromlose“ Zeit vom 1. Juli bis zum 2. August vertraglich vereinbart gewesen.

Anerkennende Worte fanden Helmut Amschler, erster Bürgermeister Konrad Merkl sowie Agenda-21-Vorsitzender Werner Walberer für eine gelungene private Initiative zur umweltfreundlichen Energieversorgung in der Nachbarschaft. Das Biomasse-Kraftwerks von Alfons Hösl erzeugt hier nicht nur Strom aus Pflanzenmaterial, sondern versorgt über das Rohrnetz einer von den Einwohnern getragenen Wärmeleitungsgenossenschaft einen Großteil des Dorfes Döllnitz mit Heizenergie.

 

Pressath