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 Bei Bürgern Verständnis wecken

 Agenda-21-Kreis kritisiert Planungsverband: Kriterien für Windkraftplanung zu streng und intransparent

 Pressath. (bjp) Hochspannungsleitungen, nahegelegene Siedlungen, Naturpark-Schutzzonen: Rund 30 Ausschlusskriterien lassen im Kreis Neustadt nur wenige „Splitter“-Gebiete übrig, die für Windkraftanlagen geeignet sein sollen. Dieses Ergebnis brachte Bürgermeister Konrad Merkl von einer Informationsveranstaltung des Regionalen Planungsverbandes Oberpfalz-Nord in Theuern zur Agenda-21-Sitzung (wir berichteten) mit.

 Für Merkl ist dieses Ergebnis kein Zufall: „Man hatte den Eindruck, dass dahinter ein ‚Strickmuster‘ steckt. Wenn man etwas verhindern will, dann braucht man nur möglichst strenge und komplexe Vorgaben zu definieren.“ In Theuern hätten einige Bürgermeister die Vorschläge des Planungsverbands heftig kritisiert und manche Teilnehmer sogar geäußert, dass eine solche Planung der „Atomlobby“ in die Hände arbeite. Merkl selbst stehe „dem Thema Windkraft aufgeschlossen gegenüber“ und könne sich zum Beispiel baugenehmigungsfreie Kleinwindkraftanlagen im Gewerbe- oder im Industriegebiet vorstellen. Momentan seien diese Anlagen zwar noch nicht ausgereift, doch gehe die Entwicklung auch hier weiter.

 Die mangelnde Transparenz der Kriterien für die Flächenausweisung beklagte auch Arbeitskreisvorsitzender Werner Walberer. Gefehlt habe es an einer Einbeziehung der Bürger in den Planungsprozess. Walberer legte Wert darauf, dass Flächen für Wind- oder Photovoltaikanlagen „im bestmöglichen Einklang mit den Bedürfnissen der Natur und der Menschen“ ausgewiesen werden müssten. Hierzu müssten „die Einwohner und Interessenverbände rechtzeitig in die Planung eingebunden werden“.

 Helmut Amschler, Aufsichtsratsmitglied der Genossenschaft „Neue Energien West“, ergänzte, dass man den Bürgern die Alternative vor Augen halten müsse, die laute: „Wollt ihr weiterhin fossile und nukleare Energie oder erneuerbare Energie? Wollen wir die Enkel und Urenkel im Kalten sitzen lassen, wenn die konventionellen Energiequellen erschöpft sind, oder wollen wir rechtzeitig umstellen mit allen Konsequenzen, die sich daraus einstweilen etwa für den Energiepreis ergeben?“ Gehe man auf die Menschen zu und spiele mit offenen Karten, so werde man Verständnis für die „neuen Energieformen“ wecken und „die Leute ins Boot holen“, gab sich Amschler überzeugt.

 Gewisse Maßstäbe richtig eichen sollte man nach Meinung von Hans Mayer: „Im Rheinland zerstört der Braunkohleabbau riesige Gebiete, und die Menschen wären dort froh, wenn sie wie bei uns nur über ein paar Windräder in der Landschaft diskutieren müssten.“ Die oft erhobenen Bedenken, Windräder könnten dem Tourismus schaden, seien in Norddeutschland widerlegt worden, wo der Fremdenverkehr durch die großen „Windparks“ keineswegs gelitten habe.

 Für ausgeschlossen erklärte es Bürgermeister Merkl, dass die Stadt Pressath im Alleingang eigene Kriterien für die Windkrafttauglichkeit von Flurstücken definiert: „Wir sind Mitglied im Planungsverband, und dessen Vorgaben sind bindend.“

  

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