Trippel

Photovoltaik stört Biokraftwerk nicht

Agenda 21: Wolfgang Trippel für umweltfreundlichen Energiemix – „Europa hinkt hinterher“

Pressath. (bjp) Solar- und Windkraftanlagen – sind sie Landräuber, die obendrein den Betrieb von Biogas-Kraftwerken stören? Nein, meint Wolfgang Trippel, Projektleiter beim badischen Solaranlagenunternehmen Wirsol, das unter anderem den im September aufgeschalteten Solarpark Floß geplant und gebaut hat. In seinem Vortrag zur Sitzung des Agenda-21-Umweltarbeitskreises rechnete er vor: Ein Zwei-Megawatt-Windkraftwerk benötige gerade einmal einen halben Hektar Bodenfläche.

Eine Solarkraftanlage gleicher Leistung erstrecke sich einschließlich etwaiger Ausgleichsflächen über vier bis fünf Hektar, meinte Trippel. Demgegenüber würden für den Betrieb eines Biogaskraftwerks dieser Leistungsklasse bis zu 700 Hektar Pflanzenanbaufläche fällig. Oft werde eingewendet, dass die für Solarkollektoren oder Windkrafträder verwendeten Flächen der Produktion von Nahrungsgetreide entzogen seien. Doch kämen die großflächigen Nutzpflanzen-Monokulturen, aus deren Ertrag die Biomassekraftwerke oft gespeist würden, einer vielfältigen Nahrungsmittelerzeugung auch nicht zunutze.

Nicht zu vergessen sei der begleitende Arbeitsaufwand: säen, düngen, ernten, Landmaschinen warten und betreiben. Dies falle bei Solar- und Windkraft weg. Doch stellte Trippel auch klar: „Alle regenerativen Energieerzeugungsformen haben ihre Daseinsberechtigung.“ Mit Blick auf den Streit um das zweite Döllnitzer Solarkraftwerk merkte der Referent an, dass ihm kein Fall bekannt geworden sei, in dem ein Biomassekraftwerk für längere Zeit wegen örtlichen Stromüberangebots, etwa wegen „Stromspitzen“ einer Photovoltaikanlage, hätte vom Netz genommen werden müssen. Allenfalls gebe es gelegentlich kurze, einige Minuten währende Trennungen: „Aber dass ein Biokraftwerk für ein paar Tage stillgelegt und vom Netz getrennt werden müsste, das gibt es nicht.“

Freilich räumte Wolfgang Trippel auch ein, dass die tages- und jahreszeitlich schwankende Stromproduktion aus Sonnen- und Windkraft ein Fundamentalproblem darstelle. Dessen Folgen könne man durch den Ausbau „intelligenter Stromnetze“ und die Entwicklung erschwinglicher und leistungsstarker Stromspeichermedien abfedern. Derartige Pufferakkumulatoren könnten dann in jedem Haus installiert, die Anschaffungskosten in ähnlicher Weise auf die Stromentgelte umgelegt werden, wie dies die Mobilfunkanbieter heute bei der „Subventionierung“ von Handys über die Mobilfunkverträge täten.

Als beklagenswert empfand Wolfgang Trippel, dass Deutschland und Europa energietechnisch weit hinter aufstrebenden asiatischen Ländern wie China herhinkten: „Während man dort voll hinter der Entwicklung moderner Stromspeicher und der Optimierung der Netze steht, weil man die Chancen und Perspektiven sieht, geraten wir durch Schwerfälligkeit ins Hintertreffen.“ Nachdrücklich plädierte der Referent dafür, die Stromversorgung aus dem bestehenden „Energie-Oligopol“ profitorientierter Großkonzerne zu lösen und „in die Hände der Bürger, der Allgemeinheit“ zu legen. Denn politisch wie ökonomisch gelte: „Wer über die Energie verfügt, hat die Macht.“

Die Energieerzeugung aus regenerativen Quellen mittels immer erschwinglicherer Anlagen eröffne auch kleineren Kommunen einen Weg, eigenen Strom zu produzieren und sich aus der Konzernabhängigkeit zu lösen, freute sich Trippel: „Vor zehn Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.“ Ein Prozent der Gemarkungsfläche reiche aus, um eine Gemeinde mit Strom aus Wind- oder Sonnenenergie zu versorgen.

------------------------------

Fünf Cent „ein Märchen“

Wolfgang Trippel: Atomstrom nur dank Subventionen billig – Preistreiberei bei regenerativer Energie

Pressath. (bjp) Als unlauter kritisierte Wolfgang Trippel bei der Sitzung des Agenda-Arbeitskreises die nach seiner Überzeugung schönfärberische Berechnung der Atomstrompreise. Dass eine Kilowattstunde Atomstrom für fünf Cent zu haben sei, sei „ein Märchen“: Viele Folgekosten würden von „der Allgemeinheit“ aus Steuermitteln beglichen oder subventioniert und fielen deshalb scheinbar aus der Berechnung heraus.

„Würde man alle Kosten einschließlich der Castor-Transporte und der Atommülllagerung den Verbrauchern unmittelbar in Rechnung stellen, so würde Atomstrom wohl an die zwei Euro pro Kilowattstunde kosten“, hielt Trippel dagegen. Die Notwendigkeit, Kernkraftwerke weiter zu betreiben, zog er in Zweifel und verwies auf 2007, als zeitweilig fast alle Atommeiler vom Netz genommen worden seien, ohne dass es einen Energieengpass gegeben habe.

Fragwürdig sei es mittlerweile, wenn Energiekonzerne die Strompreise erhöhten und dies mit den hohen Kosten für die Produktion regenerativer Energie begründeten. Vor einigen Jahren sei das noch plausibel gewesen: „Die notwendige Technik musste erst entwickelt werden.“ Doch dieser Startnachteil verwische sich zusehends, so dass die Produktionskosten immer mehr sänken. Die an der Leipziger Energiebörse gehandelten Preise untermauerten dies. Trippels lakonisches Fazit: „Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen.“

 

Pressath